BOKSEREIDEN ERIKOISNÄYTTELI 5.6.2010 PAIMIO/FINNLAND

Ueber Finnland und Turku gibt es vieles zu berichten. Von der Gründung im 13. bis ins 19. Jahrhundert war Turku die wichtigste Stadt Finnlands. Heute leben in der Universitätsstadt Turku rund 180'000 Einwohner. Turku wird gemeinsam mit Tallinn(Estland) Europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2011 sein.
Während der gesamten Zeit der schwedischen Herrschaft blieb es das politische, geistige und kulturelle Zentrum Finnlands. Im Jahr 1556 ernannte Gustav Wasa seinen Sohn Johann III. zum Herzog von Finnland. Johann und seine Gemahlin Katharine Jagellonica residierten in Turku und führten an der Burg das prunkvolle Hofleben der Renaissancezeit ein. Nach dem Tod Gustav Wasas kam es zu Machtkämpfen zwischen seinen Söhnen. Im Jahr 1563 liess König Erik Turku erobern und seinen Bruder in die Gefangenschaft nach Schweden verschleppen.
Im 18. Jahrhundert stand Turku ebenso wie der Rest Finnlands zweimal unter russischer Besatzung: 1714 - 1721 während des grossen nordischen Krieges und 1741 - 1743 während des Schwedisch-Russischen Krieges.
Im Russisch-Schwedischen Krieg eroberten die russischen Truppen Turku 1808 kampflos. Als Schweden 1809 im Vertrag von Fredrikshamn Finnland an Russland abtreten musste, wurde Turku zunächst zur Hauptstadt des neugeschaffenen Grossfürstentums Finnland erkoren. Aus der Sicht von Zar Alexander I. war Turku aber zu weit von St. Petersburg entfernt, sodass im Jahre 1812 die Hauptstadt in das bis dahin unbedeutende Helsinki verlegt wurde. Als Turku im grossen Stadtbrand von 1827 fast völlig zerstört wurde, erhielt Helsinki um so mehr Bedeutung. Das verheerende Feuer vernichtete innerhalb eines Tages drei Viertel der Häuser Turkus.
Nachdem dann Finnland 1917 die Unabhängigkeit erlangt hatte, bliebt die Hauptstadt in Helsinki.

Kehren wir nach diesem geschichtlichen Abstecher in unsere Zeit zurück. Es war eine grosse Ehre für mich, vom Finnischen Boxerclub zur Jahressieger-Zuchtschau nach Paimio in der Nähe von Turku als Richterin eingeladen worden zu sein. Meinem Kollegen Miguel Torrents aus Spanien wurden die Hündinnen und mir die Rüden zugeteilt.
Die Ausstellung fand inmitten von Grünflächen und Bäumen auf dem Gelände einer Schule statt.

In der Welpenklasse gewann der gelbe Rüde Napmary’s Born to be with You (Mirlo del Cabezo la Jara/Dare to say No Val Napmary’s), ein 5 Monate alter, gelber Rüde mit aparter Weisszeichnung, quadratischem, knochenstarkem Gebäude sowie einem typvollen, gut eingeteilten Kopf. Er wurde im Finalring auch noch bester Welpe der Ausstellung.

Die Jugendklasse (9 -18 Monate) hat der gelbe Rüde Wanita’s Nevada (Ma Baker’s Achtung/Wanita’s Scarletta) gewonnen. Ein grosser, eleganter Hund mit quadratischem Gebäuderahmen, gut gewinkelt, ausdrucksvoll, mit schmalem Oberkopf, passender Fangpartie und gut platzierten Augen. Mit seiner Ringpräsenz und seinem Laufvermögen wurde er im Finale bester Rüde und als Tüpfchen auf dem i best in show gegen die dunkelgestromte Hündin Chanel du Val d'Europe (Future v. German Dream/Bonny du Val d'Europe).

In der Klasse 15-24 Monate setzte sich der dunkelgestromte Rüde Zenmaxkays Maximus (Crom dei Centurioni/Zenmaxkay Mystique) an die Spitze. Substanzvoll mit typvollem Kopf, etwas kurzem Nasenrücken und voller Fangpartie. Er wurde zweitbester Rüde der Ausstellung.

In einer grossen offenen Klasse gewann der goldgestromte Rüde Yuppie Beit Hollandia (Zippo del Trinitad/Cara Beit Holandia), gross, quadratisch und substanzvoll mit sehr gut eingeteiltem Rüdenkopf, dunklen aber etwas klein eingesetzten Augen. Er beendete die Ausstellung als viertbester Rüde.

Die Gebrauchshundeklasse mit 4 Hunden war in sich nicht so homogen. Hier gewann der grosse, gelbe Rüde Boris du Val d’Europe (Senna des Courtillières/Genova del Cabezo la Jara) insbesondere aufgrund seines harmonischen Gebäudes und seines Laufvermögens. Im Oberkopf schmal mit breitem, geradem Gebiss. Eine Idee mehr Nasenstulp wäre von Vorteil. Er wurde im Ausstich gegen die Hündin dann auch bester Gebrauchshund der Ausstellung.

Von den 3 gemeldeten Hunden in der Championklasse waren zwei abwesend, was keinesfalls die Qualität des gelben Rüden Kreisid Admirable Adonis (Frodo del Tajo/Xipituca v. Bispus) minderte. Ein grosser Rüde von satt hirschroter Farbe und elegantem Gebäude mit ausdrucksvollem Kopf. Leider baute er im Finale beim Laufen etwas ab und wurde schlussendlich drittbester Rüde der Ausstellung.

Alle 4 vorgeführten Veteranen zwischen 9 ½ und 11 Jahren waren noch so fit, temperamentvoll und sehr bewegungsfreudig, teilweise kaum ergraut, sodass eigentlich jeder von ihnen den ersten Platz verdient hätte. Da es nur einen ersten Platz zu vergeben gibt, wurde diese Klasse vom 10 Jahre alten Vivi’s Duracel Adonis (Macondon Kasper/Vivian) gewonnen.

Rückblickend kann ich sagen, dass jeweils an der Spitze sehr gute Vertreter der Rasse anzutreffen waren, die vom Gebäude wie auch vom Kopf her viel Harmonie zeigten. Ueber alle Klassen hinweg waren aber die Jugendklassen bis 24 Monate am homogensten, was für die Zukunft der Rasse in Finnland als äusserst positiv angesehen werden kann.
Bei denjenigen Hunden, die nicht in den vordersten Rängen anzutreffen waren, fielen doch die ab und zu etwas zu überladenen Köpfe mit teilweise braunen, etwas klein eingesetzten oder auch offenen Augen auf. Bei den Gebissen gab es wenig Beanstandungen. Einige Abstriche gab es dann einesteils bei den Winkelungen (knapp in der Vorhand, kurzer Oberarm, überwinkelte, etwas schwache Hinterhand), was sich beim Laufen dann auch deutlich herauskristallisierte.

Gefreut hat mich insbesonders das grosse Interesse der Zuschauer und das faire und disziplinierte Vorführen der Hunde.

Erfreulicherweise haben sich 5 Zuchtgruppen angemeldet. Hier hatte die einzige, gestromte Zuchtgruppe Boxmann von Riita Akman, die einen äusserst guten Familientyp zeigte, die Nase vorn.

Ganz herzlich bedanken möchte ich mich bei meinen zwei Ringhelferinnen, die äusserst schnell und kompetent mitgearbeitet haben. Ebenso ein grosses Dankeschön an die Verantwortlichen und die vielen Helfer dieser sehr gut organisierten Ausstellung.

Herzlichen Dank auch an Anna-Leena, die mir Turku und Umland hat in vollen Zügen geniessen lassen.

Näkemiin


Ginette Hufschmid

Zuchtrichter-Obfrau